Update am 19.12.2016

 

Meine ehemalige Klavierlehrerin und Remscheider Kirchenmusikerin, Ruth Forsbach hat, nachdem ich Ihr meine fertige CD zugeschickt hatte, bei einem Treffen zu mir gesagt: „Sie brauchen Bach, aber Bach braucht Sie nicht“. Damit wollte sie zweifellos zum Ausdruck bringen, dass ich mich zwar der Musik Bachs bediene, jedoch für diese keinen Nutzen darstelle. Dass niemand die Musik des Johannes-Schenk-Trios „braucht“ wenn es darum geht, die erhabene Musik Bachs zu verbreiten – dass ich mich also mit fremden Federn schmücke.

Dazu möchte ich anmerken, dass es heute ausschliesslich in der sog. „Klassischen Musik“ ein völlig normaler Vorgang ist, wenn nicht ein einziger Ton von den vortragenden Musikern selbst stammt. Notierte Musik wird hier bis ins kleinste Detail einstudiert und vorgetragenen. Im Grunde genommen sind diese Orchester im besten Sinne das, was man landläufig als „Cover-Band“ bezeichnet: Der kompositorische Eigenanteil dieser Formationen entspricht: NULL.

Wer auch immer in einem dieser durch Steuermittel hoch subventionierten Orchester jemals auf die Idee kommen sollte, Mozarts Kleine Nachtmusik beispielsweise auch nur um einen einzigen Ton zu erweitern, und sei er noch so schön, intelligent, witzig oder kreativ, darf sich der mitleidvollen Blicke seiner Kollegen – oder Schlimmeres – sicher sein.

In jeder anderen Musikrichtung wäre dies undenkbar. Egal, ob Rock/Pop, Jazz, Funk, Soul oder BLUES – diese Musiken wären ohne individuelle,  musikalisch schöpferische Anteile erst gar nicht entstanden! Selbst die Schlagermusik ist diesbezüglich ein Hort der Kreativität! Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, dass die Grundlage der Geschäftsidee dieser Klassischen Orchester (die mit Unsummen öffentlicher Mittel subventioniert werden) das Schmücken mit fremden Federn schlechthin ist.

Das Zitat meiner Klavierlehrerin zeigt das in weiten Teilen der „klassischen“ Musikwelt leider immer noch sehr verbreitete Vorurteil gegenüber „populärer“ Musik auf.  Dabei wird m. E.  ausser Acht gelassen, dass die Musik, die wir heute mit dem Prädikat „Klassisch“ versehen, zu deren Entstehungszeit meist selbst populär gewesen ist.

MARC GORDON | A tonal journey

MARC GORDON | a tonal journey

Ein grauer Winternachmittag. Kaffeeduft. Leise fügen sich kleine Motive am Flügel im Kölner Studio des Jazzproduzenten aneinander. „Was ist das, was Du da spielst?“ Die Tonfolgen entwickeln sich langsam zu einem Rausch der Klänge. Es wird ein Abend und eine Nacht intuitiver Musik daraus, mit Anleihen bei Schönberg und Jarrett, Debussy und Mehldau. „Das müssen wir aufnehmen.“

Marc Gordon (geb. 1964, New York) begann früh mit dem Klavierspiel, erhielt Kirchenorgelunterricht und arbeitete als freier Kirchenmusiker. Zu seinen Lehrern gehörte die Konzertpianistin Emilie Betz. Sein musikalischer Mentor ist der Jazzkomponist und Pianist Johannes Schenk. Marc Gordon besitzt den historischen Steinway-Flügel des Komponisten Samuel Barber.

Marc Gordons rein intuitives Klavierspiel verbindet Neue Musik, die Klassik und Modern Jazz. Er fügt ungewohnte Harmoniefolgen, feine Melodien und furiose Energieentladung zu einer ganz eigenen musikalischen Form achtsam zusammen. Durchweg absichtsvoll, frei und völlig spontan improvisiert: Ein musikalischer Trapezakt, der tonale Welten verblüffend kombiniert. Seine über Jahrzehnte entwickelte sensible, pianistische Klangkultur lässt aufhorchen: In der überlangsamen Meditation weniger Töne bis hin zum perlenden Songgeflecht bildet „a tonal journey“ eine poetische Reise der großen Gefühle ab, der man gerne auch mit geschlossenen Augen folgt.

Aus dem Moment, für den Moment. Der Kölner Pianist Marc Gordon improvisiert sich in die Herzen. Das Debütalbum „A tonal journey“ des aus New York stammenden Pianisten Marc Gordon ist eine mutige Angelegenheit: Es ist nämlich vom ersten bis zum letzten Ton improvisiert. Dabei nutzt der, ursprünglich im klassischen Klavier- und Kirchenorgelspiel ausgebildete, Wahlkölner keinerlei Vorlagen, keine Standards, keine bekannten Formen. Er verlässt sich auf sein Gefühl und seine Intuition. Das Ergebnis: Frische, unverbrauchte Harmonie- und Tonfolgen, tiefe, meditative Momente zuhauf und eine nicht enden wollende Zahl wunderbarer Melodien. Tonpoesie jenseits der Stile: „Ich fliege da weit unterm Jazzradar“, meint Marc Gordon im Kölner Loft Studio und ergänzt: „Ich kümmere mich wirklich nicht um das Althergebrachte. Davon gibt es in der Musikszene ja nun genug.“ Tatsächlich hört man immer wieder Elemente Neuer Musik, auch der Spätromantiker und sogar der Minimalisten in einer mutigen Melange mit jazzigen Elementen und Anleihen aus der Popmusik. Dabei klingen die Improvisationen wie „Jones Beach“, „Vanished“ oder „She ́s the best“ nie beliebig oder zufällig. Alle Stücke des Albums wirken absichtsvoll und musikalisch zielgerichtet. Es werden Geschichten erzählt, Gedanken zu einer spontan-stimmigen Partitur verwoben. Was heißt schon „tonal“? Beim Albumtitel „A tonal journey“ spielt der Improvisationskünstler mit den Begriffen atonaler und tonaler Musik, die er aber nicht als Gegensätze sieht. „Jeder Klang ist erlaubt. Es gibt keine künstlichen Limits. Es geht immer um die Konsistenz, die Tiefe, das Bleibende und Schöne in der Musik.“ Davon hat Marc Gordon am Steinway Konzertflügel im renommierten Kölner Loft Studio nun virtuos Zeugnis abgelegt. Die CD ist bei „The Independent Artists“, einem Kölner Jazzlabel, erschienen und kostet 12,00 Euro.

 

THE TAMARIND TREE

The Tamarind Tree | Die Entstehung dieser CD geht zurück auf einige kulinarisch-cineastische Begegnungen am Anfang des Jahres 2007, bei denen mich Charlie Mariano ganz nebenbei in die Besonderheiten der südindischen Musik einführte.  Sozusagen zwischen Abendessen und Filmvorführung entstanden teils ausgedehnte musikalische Exkursionen durch Stapel von Kompositionen, die auf der Technik der traditionellen südindischen Musik aufbauen oder davon inspiriert sind. Da ich mich zu dieser Zeit vermehrt dem Orgelspiel widmete, schlug ich vor, die ausgewählten Stücke in einer Kirche aufzunehmen. Dies schien umso plausibler, da Charlie Mariano beabsichtigte, eines der Stücke auf dem Nagaswaram, einem südindischen Tempelinstrument, zu spielen. Bei unserer Auswahl rückten deshalb auch weitere spirituell-meditative Stücke in den Vordergrund, die uns insbesondere in Bezug auf ihre Verträglichkeit mit dem sakralen Kontext angemessen erschienen.

Die Rhythmik der südindischen Kompositionen ist im Vergleich zur westlichen Musik deutlich komplexer. Kombinationen aus geraden und ungeraden Metren lassen Muster entstehen, die unserem westlichen Ohr zunächst so ungewohnt erscheinen, wie die Klänge eines Mozartschen Violinkonzerts, die in Teilen Indiens gerade einmal Achselzucken hervorzurufen im Stande sind. (Wahrscheinlich gibt es auch hierzulande Gegenden, in denen Mozarts Musik Achselzucken hervorruft – geschweige denn Jazz oder gar indische Musik – aber das ist ein anderes Thema.) Im Gegensatz zur farbenreichen Rhythmik besteht jedoch der gesamte Tonvorrat dieser Stücke – notierte Melodien und Improvisationen eingeschlossen – jeweils aus den Tönen einer einzigen von 72 Tonleitern, den sogenannten Melakartas.

Nachdem sich der indische Perkussionist, Ramesh Shotham unserem Projekt angeschlossen hatte, bot sich Ende Januar die Gelegenheit, an der dreimanualigen Orgel in der Johanneskirche in Köln-Klettenberg die Aufnahmen durchzuführen. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle noch einmal allen, die zum Gelingen dieser Aufnahmen beigetragen haben.

Johannes Schenk

Juni 2007

1. Down the Couvery* | Charlie Mariano
2. Sphäre A | Johannes Schenk
3. Dorothee | Charlie Mariano
4. The Tamarind Tree* | Charlie Mariano
5. Going down | Johannes Schenk
6. Himalaya* | Charlie Mariano
7. Crystal Bells | Charlie Mariano
8. Tirupigazh* | Charlie Mariano
9. Sleep my love | Charlie Mariano

Total length: 50:01

Charlie Mariano, Saxophon, Nagaswaram
Johannes Schenk, Organ
* Ramesh Shotham, Percussion
(Nr. 1, 4, 6, 8)

 

 

WINTERSUN

WINTERSUN

WINTERSUN ist eine Hommage an das wärmende Licht der Wintersonne. Johannes Schenk und Bernd Lechtenfeld verschmelzen auf dieser atmosphärischen CD Eigenkompositionen mit instrumentalen Klangwanderungen. Bernd Lechtenfeld, Absolvent des Berklee College of Music und Schüler von Albert Mangelsdorff, lotet den instrumentalen Grenzbereich der Posaune aus. Johannes Schenk steuert warme, groovende und sphärische Klänge des akustischen Pianos bei und benutzt Saiten und Rahmen des Flügels als Perkussionsinstrument. Mit der Komposition „THREE VIEWS OF A SECRET“ würdigen die beiden Jazzmusiker einen großen und zugleich tragischen Hero des Jazz des 20. Jahrhunderts: Jaco Pastorius.

SEVEN TALES FROM THE RIVER

SEVEN TALES FROM THE RIVER

ISHU (Michael Lohmann) & Johannes Schenk

„Wie wunderschön, diese Huldigung an die Stille…“ Markus Stockhausen

„Ich habe diesen coolen und doch warmen Raum genossen, den das Duo hier erklingen lässt.“ Prem Joshua

„Wohltuende Musik“ jazzthing

Zeit für Entschleunigung – die Stille entdecken! Diesen meditativen Raum der Weite und Entspannung haben Johannes Schenk am Klavier und ISHU (Michael Lohmann) an den Saxophonen erforscht. „Uns war es wichtig, unserer Musik ihren natürlichen Atem zu geben. Deshalb haben wir für unser Album akustische Instrumente verwendet und weitgehend auf elektronische Klangerzeuger verzichtet. Keith Jarretts Satz über den großen Minimalisten Miles Davis war für ISHU und Johannes ein Leitfaden: „Obwohl da so wenige Töne waren, war so viel in den wenigen Tönen!“ Ein Minimalist und großartiger Melodiker war auch der Saxophonist Charlie Mariano, mit dem beide Musiker verbunden waren. Aus Südindien brachte er Anfang der siebziger Jahre ausdrucksstarke Melodien und Ragas mit, die zur Grundlage für einen Teil der meditativen Improvisationen auf diesem Album wurden. Und dann war da noch der Rhein… Er hat das Duo immer wieder aufs Neue inspiriert. Das Tonstudio von Johannes Schenk liegt nämlich in seiner unmittelbarer Nähe. Und so haben sie dem mächtigen Fluss jeden Tag eine neue Geschichte abgelauscht und sie zu den SEVEN TALES verdichtet.

PIANO SOLO

Piano Solo
Johannes Schenk | Live im Tersteegenhaus

Die Universalität des Klaviers hat schon viele Pianisten zu stilübergreifenden Ausflügen in weit von einander entfernte Musikepochen verleitet. Das Romantische im Spiel Keith Jarretts, das Moderne am Klang Bachscher Kompositionen, das Klassische im Klavierspiel Chick Coreas und das Sinnliche in Mozarts Klavierstücken lässt ahnen, dass möglicherweise nicht „Fortschritt“ der Motor für die vielfältige Gestalt des musikalischen Ausdrucks eines Zeitalters ist. Vielmehr scheint es, als umkreisten wir ein entferntes Gravitationsfeld, dessen Zentrum von Komponisten zeitübergreifend als Inspirationsquelle angezapft wird. Auf keinem anderen Instrument treten diese Schnittmengen deutlicher zutage als beim Pianoforte. In dem vorliegenden Programm prallen Stücke von Deep Purple, J.S. Bach, Charlie Mariano, Pink Floyd und eigene Kompositionen aufeinander. Die sich offenbarenden Bezüge zwischen den Stücken, treten umso deutlicher hervor, je mehr sie zur Vorlage für ausschweifende Improvisationen werden.

Die vorliegenden Kompositionen (außer Titel 2, 3, 4 und 9) sind zum überwiegenden Teil im Ursprung keine Klavierstücke, sondern wurden für völlig unterschiedliche Besetzungen erstellt. Titel 1 ist die Bachsche Orgel-Bearbeitung des Adventlieds „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Martin Luther. Die Entstehung der Melodie geht auf das 4. Jahrhundert zurück. Zu hören ist eine Bearbeitung für Klavier, an deren Anfang und Ende viertaktige Akkordzyklen eingefügt wurden, die als Spielraum für musikalische Improvisationen genutzt werden. „Down the Couvery“ (5) ist eine Komposition von Charlie Mariano für Keyboard und Saxofon. Das ostinate elfachtel-Muster der linken Hand dient als Grundlage für Improvisationen. Titel 6 ist die Bearbeitung einer Komposition von J.S. Bach, die sowohl in einer Kantate (BWV 156) als auch im langsamen Satz des Klavierkonzerts f-moll (BWV 1056) zu finden ist. Die Improvisation bewegt sich nach der Vorstellung des Original-Themas zunächst innerhalb der vorgegebenen harmonischen Wege des Originals und verlässt dessen Rahmen im ausleitenden Teil des Stücks, der Coda. Nr. 7 ist die Klavierbearbeitung des Titels „Shine on you crazy diamond“ der britischen Rockband Pink Floyd, erschienen 1975 auf dem Album „Wish you were here“.

Nr. 8 ist die Klavierbearbeitung eines weiteren Rockklassikers. „Smoke on the Water“, erschienen 1972 auf dem Album “Machine Head” der englischen Rockband Deep Purple. Track Nr. 10 ist ein Stück Filmmusik von Vangelis für den Film „Blade Runner“ von Ridley Scott. Die Akkordfolge eignet sich bestens für musikalische Improvisationen.

Johannes Schenk im Juni 2010

Die Aufnahmen für diese CD entstanden im Rahmen eines vom Forum Klettenberg am 10. Juni 2010 im Tersteegenhaus veranstalteten Klavierabends.

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As time goes B.A.C.H. Vol. III

As time goes B.A.C.H. III
Johannes Schenk Trio

Die musikalische Fusion aus abendländischer Tradition und afroamerikanischer Rhythmik hat im vergangenen Jahrhundert (und darüber hinaus) unzählige neue Musikstile entstehen lassen. Die Musiker des Blues, Gospel, Soul, Funk, Rock und des Jazz erfanden von jeher ihre eigenen Melodien. Die Handhabung der Instrumente wurde der Suche nach dem eigenen Klang untergeordnet. Ausschließlich in dem Bereich der „klassischen Musik“ ist es heute ein völlig normaler Vorgang, dass nicht ein einziger Ton von den vortragenden Musikern selbst stammt – es sei denn, es erklingt einmal ein „falscher“ Ton. Auch beim dritten Album von AS TIME GOES B.A.C.H. stehen – wie bei den beiden vorausgegangenen Alben – notierte und improvisierte Musik gleichberechtigt nebeneinander. Mit Freddies Tune (1) fand eine Melodie Friedrich des Großen (der sowohl Flöte spielte als auch komponierte) den Weg auf das aktuelle Album von AS TIME GOES B.A.C.H. _

Nach einer legendären Begegnung zwischen J. S. Bach und Friedrich II. im Jahre 1747 entwickelte der Thomaskantor aus einem achttaktigen Motiv des Preußenkönigs zahlreiche kontrapunktische Kompositionen und widmete sie unter dem Titel „Das musikalische Opfer“ dem König. Freddies Tune greift das Thema Friedrich II. auf, überträgt es in einen lateinamerikanischen Rhythmus und verknüpft es mit der Tonfolge b-a-c-h. Die Arie Bereite Dich Zion aus dem Weihnachtsoratorium wird zu SION (6) in ihrer auf ein Klaviertrio übertragenen Form. Highlander (12) hat seinen Ursprung in der Bachschen Orgelbearbeitung des Adventlieds „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Martin Luther, dessen Melodie aus dem 4. Jahrhundert stammt. Neben zwei Sätzen aus der Französischen Suite in d-moll (3 und 9), dem Andante aus dem Italienischen Konzert (11) und einer Klavier-Improvisation über die Tonfolge b-a-c-h (8), finden wir Up-tempo-Transformationen der Badinerie aus der 2. Orchestersuite (2) und der Präludien G- und Bb-Dur (4 und 13) aus dem Wohltemperierten Klavier
Band I.

Das motivische Material für Shorter Bach (5) ist zwei denkbar weit voneinander entfernten Kompositionen entnommen: Einem Blues im 3/4-Takt von Wayne Shorter und dem Präludium c-moll aus dem Wohltemperierten Klavier Band II. Pizzicato (7) nennt man das Zupfende Bearbeiten der Saiten von Streichinstrumenten. Durch Abdämpfen bestimmter Bereiche der Basssaiten des Flügels erklingen ausgewählte Partialtöne. In der Nachbearbeitung wurden Anteile des aufgenommenen Materials rückwärts zur Original-Aufnahme gemischt. Dies ist als Analogie zur Barocken Kompositionstechnik des “Krebs“ zu verstehen, bei der Melodien rückwärts gespielt werden. Die Spiegelung ist ein verbreitetes Stilelement der Barockzeit, das sich auch in grafischen Elementen wiederfindet. Das Bach-Wappen auf der Vorderseite dieses Booklets besteht aus den Bachschen Initialen und deren (vertikaler) Spiegelung. Auch am Ende von B-A-C-H (8) und im Andante (11) hören wir gespiegelte Klänge. Johannes Schenk

1.) Freddies Tune 07:23
2.) Badinerie 06:12
3.) Menuett II 07:06
4.) Rollover J. S. 05:18
5.) Shorter Bach 0 4:56
6.) SION 05:44
7.) Pizzicato 00:51
8.) B-A-C-H 06:24
9.) Sarabande 05:05
10.) Interlude 00:42
11.) Andante 04:47
12.) Highlander 07:09
13.) B-Flat Rock 08:03

Total 67:45

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As time goes B.A.C.H. Vol. II

As time goes B.A.C.H. II
Johannes Schenk & friends – feat. Charlie Mariano

Was geschieht, wenn wir uns bei einer Reise in die Vergangenheit auf die Spuren J.S. Bachs begeben? Wo auch immer wir landen, um seine wunderschöne Musik zu genießen, erkennen wir keinen Ton wieder, weil wir bei unserer Reise in die Vergangenheit alles rückwärts hören. Wie schade! Doch einige Teile der Musik können wir selbst im Rückwärtsgang der Zeitmaschine so hören, wie wir es gewohnt sind. Denn damals komponierte man noch sogenannte Krebskanons. Ein Krebskanon verwendet eine der am Kanon beteiligten Stimmen in ihrer zeitlichen Umkehrung. Sie wird zu den vorwärts laufenden Stimmen von ihrem Ende zu ihrem Anfang, also rückwärts gespielt. Wie schön! Wie kann es aber sein, dass sich eine Musik sowohl vorwärts, als auch rückwärts gut anhört? Genauso gut könnte man fragen, warum diese oder jene Person auch im Spiegel hübsch aussieht. Zugegebenermaßen eignet sich nicht jede Musik zu einer Umkehrung. Weite Teile der Musik J. S. Bachs erweisen sich im Umkehrungstest jedoch als nahezu unkaputtbar!

Die Stücke Nr. 5 und 11 auf dieser CD stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. Hier wurde zwar nicht die Zeitachse der Musik umgekehrt. Doch sind diese Stücke, deren genaue Identität der geneigte Hörer selbst herausfinden möge, vollständig um ihre horizontale Achse gespiegelt. Erreicht wird dies durch den Einsatz eines Instruments, dessen Tastatur durch eine trickreiche Schaltung invertiert werden kann. Während die Abstände der Töne zueinander erhalten bleiben, ändert sich deren Laufrichtung: der tiefste Ton befindet sich jetzt auf der rechten, der höchste Ton auf der linken Seite der Klaviatur. Aus dem gelungenen Experiment eines meiner Klavierschüler, „sein“ Bachstück (Track Nr. x auf dieser CD) auf der so gespiegelten Tastatur zu spielen, entstand der Plan, nach gleichem Muster auch mit anderen Klavierstücken zu verfahren. Dabei zeigte sich, dass selbst bekannteste Gassenhauer ihren Wiedererkennungswert vollends einbüßen. Es entstehen also ganz neue Musikstücke. In diesem Zusammenhang wird von Interesse sein, wie die GEMA die so entstandenen Werke zu bewerten gedenkt. Auch bei Track 9 kommt das musikalische Prinzip der Spiegelung zum Einsatz. Wie der Titel des Stücks, „HCAB BACH“ schon andeutet, wird hier die Tonfolge b-a-c-h und deren analoge Formen (z.B. fis-f-gis-g) um ihre vertikale Achse gespiegelt. Auch durch das Stimmengeflecht der meisten anderen Stücke dieser CD spinnt sich die Tonfolge b-a-c-h, was an die Tradition des vorausgegangenen Albums anknüpft. Ein weiterer Grundgedanke des Projektes ist die Vermeidung der verjazzenden Vermischung von Bachscher Originalnotation und Improvisation. Da ohnehin ein beträchtlicher Teil nicht nur der Bachschen Klavier- und Orgelwerke unter dem Einfluss musikalischer Intuition, also durch Improvisation entstanden, scheint eine Gegenüberstellung dieser Elemente sinnvoller als deren Vermengung. Bill Evans Komposition „Time remembered“ fand ihren Weg über eine Originalhandschrift auf diese CD. Charlie Mariano empfing sie in einem New Yorker Jazzclub aus den Händen des legendären Pianisten.

1. Sinfonia (BWV 156, Bearb. J. Schenk)
2. ChickCheck (J. Schenk)
3. Siciliano (BWV 1031, Bearb. J. Schenk)
4. No Itnevni (J. Schenk)
5. Präl. b-moll (BWV 869, Bearb. J. Schenk)
6. Toccata d-moll (BWV 565, Bearb. J. Schenk)
7. Time remembered (Bill Evans)
8. Präl. g-moll (BWV 861, Bearb. J. Schenk)
9. Präl. F-moll (BWV 857, Bearb. J. Schenk)
10. All the things you are (Jerome Kern)
11. Teunem (J. Schenk)
12. HCAB BACH (J. Schenk)

Total Time: 64:25

As time goes B.A.C.H. Vol. I

As time goes B.A.C.H. I
Johannes Schenk & friends – feat. Charlie Mariano

Improvisation war schon immer eine der inspirierendsten Quellen für musikalisch schöpferische Akte. Von Johann Sebastian Bach sagt man, dass er die Toccaten und Fugen, die Präludien und Fantasien, welche er sonntags zum Gottesdienst improvisierte, während des Mittagessens aufschrieb. Das Verb „Präludieren“ zeugt noch von dieser verloren gegangen Fähigkeit „aus dem Stehgreif“ zu musizieren. Heute ist Improvisation im allgemeinen Musikbetrieb kaum noch anzutreffen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die klassische Harmonielehre, welche Bestandteil des Musikstudiums ist, nicht auf einen „freien“ Umgang mit Tonleitern und Akkorden abzielt.
Jedoch ist Improvisation nicht gänzlich aus der Musikwelt verschwunden: Wenn auch fast alle zeitgenössischen Stilrichtungen, in denen Improvisation eine wesentliche Rolle spielt überheblich in die Kategorie U-Musik, also Unterhaltungs-Musik, eingeordnet werden, so muß doch anerkannt werden, daß die vitalsten zeitgenössischen Strömungen sich der Improvisation, entweder als Bestandteil der Aufführung, oder als Hilfsmittel zu ihrer Herstellung bedienen. So ist der aus der Fusion von abendländischer Tradition und afro-amerikanischer Rhythmik entstandene Zweig der zeitgenössischen Musik, der Jazz, ein leibhaftiges Beispiel für musikalische Vielfalt und Vitalität. Parallelen zwischen der Improvisations-Praxis des Barock und der Neuzeit lassen sich schon in der Art der Notierung der Improvisations-Vorlagen ausmachen: Während die „Rhythmus-Gruppe“ des Barock (Basso-Continuo) den Generalbass als verbreitete Schreibweise für die Festlegung harmonischer Formen vorfand, so improvisieren Jazz-Musiker heute auf der Grundlage von Harmoniesymbolen, welches an die barocke Tradition anknüpft.

Einer der Grundgedanken des Projektes AS TIME GOES B.A.C.H. ist die Gegenüberstellung zeitgenössischer Improvisation und Bachscher Musik. Deshalb wurde bewußt darauf verzichtet, den Text der barocken Kompositionen im Wesentlichen zu ändern. Vielmehr werden die Kompositionen so wiedergegeben wie Bach sie schrieb. So dient die Hinzunahme von Schlagzeug und Kontrabass der Verdeutlichung des, dem Original innewohnenden Groove und Swing, wenngleich beide Instrumente im Kontext der Improvisationen auch solistisch fungieren. Die Grundgerüste der Improvisationen sind wie in der Bearbeitung des Orgelchorals „Ich ruf zu Dir Herr Jesu Christ“ zum Teil der harmonischen Abfolge des musikalischen Original-Textes entlehnt. Intensivere Brüche entstehen durch die Implementierung völlig neuer Harmoniegerüste, wie in den Bearbeitungen der Präludien d- und g-moll. In beiden Fällen ist die Tonfolge b-a-c-h ein wesentlicher Bestandteil dieser Struktur. Die analoge Verwendung dieser Tonfolge (z.B. c-h-d-cis) zieht sich wie ein roter Faden durch die vorliegenden Bearbeitungen und findet sich – verpackt als Morsecode – in der Rhythmik des Vorspiels zum langsamen Satz (Air) aus der Orchestersuite D-Dur wieder. Letztlich darf diese Tonfolge auch als Erklärung für die Anwesenheit des von Jimi Hendrix zur Berühmtheit verholfenen Songs „Hey Joe“ herhalten, dessen Mittelteil ebenfalls ein b-a-c-h-Motiv (in diesem Fall as-g-b-a) enthält.

Köln im Mai 2000

Johannes W. Schenk

Update am 19.12.2016