ÜBER MICH

Ich komme aus einer musikalischen Familie in der jedes der vier Kinder mindestens ein Instrument spielen lernte. Aufgrund einer umfangreichen Sammlung an Musikinstrumenten  kamen wir deshalb schon sehr früh mit Blockflöten, Trompeten, Xylophonen u.Ä. in Berührung. Besonders ein Flügelhorn, das ich gefühlt einen ganzen Frühling mehrere Stunden pro Tag traktierte, faszinierte mich als Fünfjähriger. Der klare, runde und trotzdem kraftvolle Ton dieses Instruments hatte es mir wohl angetan und ich betrachtete die entstehenden Klänge als angemessene Erweiterung meiner von mir sonst als eher schlicht eingeschätzten Erscheinung.

Den ersten Klavierunterricht erhielt ich mit ca. sechs Jahren durch meinen Vater, der in unserer Heimatstadt Remscheid neben seinem Hauptberuf als Orthopädiemechaniker eine Anstellung als Kirchenmusiker hatte. Mit zunehmendem Alter bekam ich Klavier- und Orgelunterricht bei dem ebenfalls in Remscheid ansässigen Kirchenmusiker Hans-Martin Theill und ab meinem 16. Lebensjahr bei Ruth Forsbach, die mich später für ein Musikstudium am Robert Schumann-Institut in Düsseldorf vorschlug. Obzwar in den Unterrichtsstunden das Einstudieren klassischer Klavierstücken im Vordergrund stand , interessierten mich schon damals besonders solche Klänge, die meinen Gehörgang über das Abspielen von Vinyl-Schallplatten erreichten.

Ein von mir auf „stereo“ umgebauter Koffer-Plattenspieler der Marke Privileg konnte mittels komplizierter Verkabelung und unter Zuhilfenahme eines alten Röhrenradios plötzlich beide der in die Vinylscheibe eingepressten Audiokanäle an räumlich voneinander getrennten Stellen in meinem Zimmer wiedergeben. Welch ein Klangkosmos tat sich da auf! Neben Schallplatten von DEEP PURPLE oder der holländischen Klassik-Rock-Formation EKSEPTION (und vieler weiterer LPs, deren Musik kaum Gegenstand meines Klavierunterrichts war), schaffte es in den Siebzigern auch die LP Wish you were here von PINK FLOYD auf meinen Plattenteller. Die mit aufwändiger Studiotechnik und mit den für die damalige Zeit noch selten zu hörenden Synthesizern monumental produzierte Musik hat mich nachhaltig beeindruckt.

Im Rahmen des privaten Musikunterrichts und im späteren Musikstudium standen zwar weiterhin ausschliesslich klassische Musikstücke auf dem Programm, aber immerhin liessen sich mit den teils riesigen Kirchenorgeln ebenfalls bombastische Klänge erzeugen (was mein durch Pink Floyd gewecktes Interesse an elektronischen Klangerzeugern Johannes sein erster Moog-Synthesizernicht im Geringsten tangierte). Somit erwarb ich meinen ersten Synthesizer, einen Moog Prodigy im Jahr 1977.

Zu meinem Glück lebten wir am Remscheider Stadtrand unweit der idyllisch gelegenen Akademie Küppelstein, in der jedes Jahr legendäre Musik-Workshops stattfanden, bei denen hochkarätige internationale Jazz- und Rockmusiker als Lehrer zu Gast waren. Der damalige Direktor der Akademie war ein Kollege und Freund meines Vaters. So hatte ich vergleichsweise gute Chancen auf einen der begehrten Plätze bei diesen Workshops. Hier traf ich auf geniale Musiker wie Jasper van´t Hof (der schon zu dieser Zeit über einen beeindruckenden Park an großartigen Synthesizern verfügte und wie kein zweiter sie zu benutzen wusste), Adelhard Roidinger, Charlie Mariano, Walter Norris, Joe Viera, Ack van Rooyen, Glen Buschmann und viele andere. Zum ersten Mal hatte ich es mit Musikern zu tun, die in diesem Metier, das ich nur von Schallplatten her kannte beheimatet waren und die bereitwillig ihr Wissen weitergaben. Die legendären Jazz-Workshops der Akademie Remscheid zwischen 1978 und 1984 haben mich nachhaltig geprägt.

Meine Sammlung an elektronischen Klangerzeugern wuchs und es gesellten sich ein Fender-Rhodes Piano, ein ROLAND JX3P-Polyphonic-Synthesizer und der legendäre YAMAHA DX7 mitsamt einer ROLAND TR-808 zu meinem Keyboard-Verbund. Da diese Geräte seit ca. Mitte der Achtziger Jahre mit einer Computer-Schnittstelle (MIDI) ausgestattet wurden, bestand erstmalig die Möglichkeit diese Instrumente sowohl untereinander zu verbinden (um beispielsweise mehrere Instrumente von einer Tastatur aus anzusteuern), als auch sie parallel über einen Computer anzusteuern. Damit eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten des Musizierens. Die mit sog. MIDI-Sequenzern auf dem Computer aufgenommenen Steuerdaten liessen sich ohne größeren Aufwand bis ins kleinste Detail nachbearbeiten und somit perfektionieren. Die „Quantisierung“ musikalischer Datenströme im Sequenzer sorgte für quarzgesteuerte Genauigkeit – jeder noch so feinen Motorik des Menschen scheinbar haushoch überlegen.

Insbesondere im Rock- und Pop-Bereich der 80er kam diese Technologie – nicht immer aus ästhetischen Gründen – auf breiter Front zum Einsatz, was der Musik dieser Zeit einen unverkennlichen Stempel aufdrückte. Ich gehe deshalb so detailliert darauf ein, weil die vermeintlichen Segnungen dieser Technologie den Sound dieser gesamten Zeit prägte. Wie vielen anderen wurde auch mir erst später bewusst, dass Perfektion in der Musik kaum etwas zum guten Klang, zu einer guten Aufnahme oder einem guten Vortrag beisteuern kann. Dazu später mehr.

Nach meinem Examen an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf eröffnete sich an meinem neuem Wohnort Köln die Möglichkeit, mit der renommierten Broadway Musical Company New York auf Europatournee zu gehen. Mehrere Jahre war ich mit den Musicals WEST SIDE STORY, JESUS CHRIST SUPERSTAR und HAIR auf Europa-Tournne. Diese Jacke ist ein schönes Erinnerungsstück an diese Zeit.

Nach dieser Zeit hatte ich das Glück, immer wieder bei verschiedensten Bands und Musikproduktionen unterzukommen, sodass ich meist mehr unterwegs als zu Hause in Köln war. Eine mehrmonatige Kreuzfahrt auf einem Luxus-Liner führte mich und die Mitglieder des eigens für diese Tour zusammengestellten Orchesters um den halben Globus. Erst nach und nach etablierten sich für mich Möglichkeiten auch im Kölner Raum mehr oder weniger „feste“ Engagements anzunehmen. Die Bezahlung für Musiker im turbolenten Kölner Nachtleben der Achtziger und Neunziger Jahre war nicht schlecht und auch im sog. Gala-Business – also im Bereich der musikalischen Dienstleistung auf Messen, Jubiläen und anderen Großveranstaltungen – gab es zu dieser Zeit noch gute Verdienstmöglichkeiten. Jedoch bezahlte ich einen hohen Preis: Meine Liebe zur Musik litt unter dem Dienstleistunganspruch und ich sah das Tageslicht selten vor 12 Uhr mittags.

Nach einem sehr zeit- und energieraubenden Ausflug in die Aktionskunst Anfang der 90er […], der mir durch viele Radio- und TV-Beiträge einen unerwarteten aber zweifelhaften Bekanntheitsgrad bescherte; einem dreimonatigen Engagement in einem Leipziger Musikclub (die Inhaber aus dem Westen hatten gleich nach der Wende ein Fernsehgeschäft dort eröffnet und investierten aus Gründen der Steuerersparnis beachtliche Summen in die Ausstattung eines Musikclubs und die Gagen der Musiker) und einem längeren  Aufenthalt an der Côte d’Azur, widmete ich mich nach meiner Rückkehr ins Rheinland zunächst vermehrt der Musikproduktion. Erste in Koproduktion mit dem US-amerikanischen Saxophonisten Bobby Stern produzierte Titel erschienen auf CDs des Labels LIPSTICK RECORDS.

Ein Umzug innerhalb Kölns brachte es mit sich, dass meine gesamten elektronischen Instrumente erst mal im Keller landeten. Nach längerer Abstinenz verspürte ich ohnehin den Wunsch mich wieder intensiver dem Klavierspiel zu widmen. Ich empfand es als Befreiung, keine Gebrauchsanweisungen studieren zu müssen, ohne Strom einfach so musizieren zu können. Dort 88 Tasten und hier zehn Finger – etwas ganz anderes als in den letzten Jahren, in denen ich fast auschliesslich mit Synthesizern, Samplern, Drummachines und Computern hantierte. Zeitgleich formierte sich mein Jazz-Klaviertrio mit Roland Höppner am Schlagzeug und Gregor Lindemann am Kontrabass. Hier konnte ich nun die aus der musikalischen Elektro-Sackgasse der 80er gewonnenen Einsichten umsetzen: Nicht Perfektion im Spiel, sondern die gemeinsame Spielfreude und ein gemeinsamer „Spirit“ standen im Mittelpunkt unseres Projekts. Als ich mich Anfang des Bach-Jubiläumjahrs 2000 intensiver mit den Klavierkompositionen Johann Sebastian Bachs beschäftigte, schoss mir plötzlich die Idee durch den Kopf, Bachs erhabene Musik mit den klanglichen Eigenheiten eines modernen Jazz-Klaviertrios zu kombinieren um davon eine CD herzustellen. Das sog. „Verjazzen“ klassischer Kompositionen hatte  bereits einige zweifelhafte Blüten hervorgebracht. Bei uns sollte es deshalb nicht auf die Vermengung, also die Vermischung der in sehr unterschiedlichen Zeitabschnitten entstandenen Stile hinauslaufen, sondern deren möglichst originalgetreue Gegenüberstellung – auch und besonders innerhalb einzelner Stücke. Die Tonfolge B-A-C-H, über die bereits Robert Schumann, Franz Liszt, Max Reger und J.S. Bach selbst komponierten, sollte übergreifend als verbindendes Element in die Bearbeitungen eingefügt werden. Das nachfolgende Video zeigt die Einbindung dieser Tonfolge in die Bearbeitung des Präludiums Nr. 6, d-moll aus dem Wohltemperierten Klavier:

Innerhalb weniger Wochen entstanden die ersten Ausarbeitungen für das Klaviertrio und bereits im April 2000 nahmen wir im TOPAZ-AUDIO STUDIO in Köln die ersten Titel auf.

Einer meiner damaligen Klavierschüler war gut befreundet mit der Kölner Musikproduzentin Vera Brandes, die 1975 als Veranstalterin des legendären Köln Concert mit Keith Jarrett in Erscheinung trat. Sie war befreundet mit dem weltberühmten, ebenfalls in Köln lebenden Saxophonisten Charlie Mariano, dem sie unsere ersten Aufnahmen zum Abendessen vorspielte. Da er sich interessierte, stellte Vera Brandes den Kontakt zu uns her. Bereits einige Wochen später durften wir die noch fehlende zweite Hälfte unserer CD an der Seite dieses Weltstars aufnehmen. Welche Würdigung unserer Musik!

Die CD As time goes B.A.C.H., Vol. I, Johannes Schenk & friends – feat. Charlie Mariano erschien in der zweiten Jahreshälfte des Jubiläumsjahrs 2000 und war ein durchschlagender Erfolg. Eine Kölner Agentur sorgte Deutschlandweit für ausverkaufte Konzerte und auch die großen Festivals, darunter die Bachfestivals in Ansbach und Leipzig engagierten uns. Noch zwei weitere CDs durfte ich unter eigenem Namen an der Seite von Charlie Mariano aufnehmen: As time goes B.A.C.H., Vol. II und THE TAMARIND TREE – eine CD mit Kompositionen in der indischen Tradition, auf der ich Kirchenorgel spiele. Seit Gründung meines Plattenlabels THE INDEPENDENT ARTISTS sind noch weitere CDs erschienen und noch einige befinden sich sozusagen in der Pipeline.

Seit meinem Umzug in den schönen Kölner Süden 2004 widme ich mich vermehrt der Fotografie (was ich in Bälde auf einer weiteren Website zu dokumentieren gedenke) und ich betreibe ein kombiniertes Foto-, Video- und Audiostudio in dem auch die meisten Folgen unserer Koch- und Musikshow JOHNNYS KITCHEN produziert wurden.